Hanföl – Das gesündeste Öl im Schrank?

Hanföl oder auch Hanfsamenöl, ist ein sehr gesundes und deshalb immer beliebteres Speiseöl. Dieses wird aus den Samen der Nutz-Hanfpflanze (Cannabis sativa) gewonnen und kalt gepresst. Es enthält wertvolle Inhaltsstoffe (1), die sich positiv auf die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken können. 

Aufgrund seiner Herstellung wird Hanföl häufig mit der berauschenden Wirkung von Marihuana in Verbindung gebracht.

Das liegt an dem immer noch weit verbreiteten, irrtümlichen Glauben, dass industriell genutzte Hanfsorten automatisch mit Drogenhanfsorten gleichzusetzen seien. 

Tatsächlich variieren Wirkung und Inhaltsstoffe von Cannabisprodukten erheblich, je nachdem, aus welcher Pflanzensorte und aus welchem Pflanzenteil sie gewonnen werden. 

Keinen Rausch durch Hanföl
Hanfsamen der Cannabis sativa enthalten äußerst geringe Mengen Tetrahydrocannabinol (THC), welches aus dem Harz der Hanfpflanze gewonnen wird und psychoaktive Effekte auf den Menschen auslöst. Das aus den Samen gewonnene Hanföl für den Hausgebrauch hat dadurch keine berauschende Wirkung.

Unterschied von Hanföl zu CBD-Öl

Hanföl wird im Zusammenhang mit seiner Herkunft häufig mit CBD-Öl verwechselt. CBD-Öl basiert auf dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD). Dieser verursacht zwar keine berauschende Wirkung, aber ihm werden gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben, die zunehmend an Popularität gewinnen. 

Cannabidiol wird als Extrakt aus den grünen Blättern der Cannabis sativa gewonnen und anschließend mit einem Trägeröl, wie eben beispielsweise dem Hanföl, versetzt. Durch die ähnliche Herkunft werden Hanföl und CBD-Öl gern als synonyme Begriffe verwandt.

Bei Hanföl und CBD-Öl jedoch handelt es sich um zwei verschiedene Öl-Sorten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Eigenschaften. 

Geschichte des Hanföls

Die Hanfpflanze zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Man geht davon aus, dass sie sich von Zentralasien in den Rest der Welt verbreitet hat. Die ältesten Funde von Hanfpflanzen in Europa werden auf etwa 5500 Jahre geschätzt. Auch heute noch wächst die Pflanze weltweit im gemäßigten bis subtropischen Klima. 

Bis 1996 war der Anbau in Deutschland strengstens verboten. Seitdem ist die Kultivierung im Rahmen festgelegter Grenzwerte des THC-Gehalts der Pflanzen wieder erlaubt. 

China war vermutlich das erste Land, das auch den Samen der Hanfpflanze nutze und weiterverarbeitete. Heute wird Hanföl, neben seiner Funktion als wertvolles Speiseöl, auch in der Industrie eingesetzt. 

Gewinnung von Hanföl

Für die Herstellung von Hanfsamenöl gelten strenge Richtlinien, sowohl was die Qualität als auch die Inhaltsstoffe des Öls betrifft. Dabei wird für die Gewinnung hauptsächlich die Hanfsorte Cannabis saliva verwendet, deren Anbau stark kontrolliert wird. 

Die Hanfsamen dieser Pflanze werden mit spezieller Maschinerie geerntet und anschließend mechanisch in leicht erwärmten Mühlen schonend gepresst. Dieser Vorgang ist so langsam, dass keine Reibungswärme entsteht und somit eine Kaltpressung stattfindet. Auf diese Weise behält das Öl seine wertvollen Inhaltsstoffe. 

Aus etwa einer Tonne Hanfsamen werden ca. 300 Liter Öl gewonnen, das restliche Pressmaterial kann danach beispielsweise als Futtermittel weiterverwendet werden. 

    Wirkung und Anwendung von Hanföl

    Den wohl größten Effekt auf den menschlichen Organismus haben die im Hanföl enthaltenen essentiellen Fettsäuren wie Omega-3, Omega-6 und die Linolsäure. Diese wirken unter anderem:

    • entzündungshemmend;
    • stärkend auf das Herz-Kreislauf-System;
    • hormonregulierend;
    • anregend auf den Stoffwechsel;
    • unterstützend bei der Zellerneuerung.

     

    Hauterkrankungen

    Die entzündungshemmenden Eigenschaften der darin enthaltenen Linolsäure, machen Hanföl zu einer lindernden und heilenden Behandlungsmethode für Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. Indische Forscher haben zudem herausgefunden, dass Hanföl die Haut stärkt und resistenter gegen Infektionen macht. Es eignet sich daher auch unter anderem für den Einsatz gegen Akne, Ekzeme, Psoriasis und Dermatitis.

     

    Psychische Erkrankungen 

    Verschiedene Studien, wie beispielsweise eine Forschung an der Harvard University, haben die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei psychischen Erkrankungen und Stimmungsschwankungen getestet. Dabei wurde festgestellt, dass die künstliche Zufuhr der essentiellen Fettsäure über die Nahrung die Symptome von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder bipolaren Störungen mildern kann.  

     

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen

    Studien haben gezeigt, dass Alpha-Linolsäure, die ein Bestandteil von Hanföl ist, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindern kann. Hanföl kann zudem bei regelmäßiger Einnahme helfen, den Blutdruck und die Cholesterinwerte zu senken und so Gefäßerkrankungen vorzubeugen.

     

    Arthritis und Rheuma

    Die entzündungshemmende Wirkung der essentiellen Fettsäuren lindert akute Entzündungsprozesse im menschlichen Körper. Das konnte unter anderem bei klinischen Versuchen mit dem an Omega-3 reichen Fischöl festgestellt werden. Das ebenso reichhaltige Hanföl eignet sich deshalb für den Einsatz bei systemischen und auf Entzündungen basierenden Krankheiten wie beispielsweise Arthritis, Rheuma und Lupus. 

     

    Haarpflege

    Ungesättigte Fettsäuren unterstützen den menschlichen Körper dabei, Keratin zu bilden. Dadurch kann Hanföl Haarbruch vorbeugen und das Haarwachstum anregen. Die feuchtigkeitsspendenden und lindernden Eigenschaften des Hanföls sind ebenso von Vorteil bei juckender und trockener Kopfhaut. 

     

    Hormonstörungen

    Hanföl enthält Gamma-Linolensäure, die dabei hilft, den Hormonhaushalt zu regulieren. Ein weiteres Einsatzgebiet für das Pflanzenöl sind dadurch die Menopause und das prämenstruelle Syndrom. 

    Eigenschaften von Hanföl 

     

    Farbe und Geschmack

    Hanföl ist unraffiniert und kann abhängig von den verwendeten Samen – geschält oder ungeschält – eine grüne bis bräunliche Färbung aufweisen. Der Geschmack ist in der Regel leicht nussig und das Speiseöl ist recht dickflüssig.   

    Inhaltsstoffe

    Die Hanfpflanze ist die einzige weltweit, die als Lieferant aller wichtigen Fett- und Aminosäuren gilt. Das Hanföl selbst kann bis zu 450 verschiedene Wirkstoffe enthalten. Ein Großteil davon sind sogenannte essentielle Fettsäuren, also solche, die der menschliche Körper nicht selbst produzieren kann und folglich mit der Nahrung aufnehmen muss.   

    Die Tatsache, dass Hanföl sich in den letzten Jahren immer zunehmender Aufmerksamkeit und Beliebtheit erfreut, ist der wertvollen Inhaltsstoffe des Speiseöls geschuldet: 

    Hanföl…

    • …ist sehr reich an polyungesättigten Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6. 
    • …enthält Linolsäure, Alpha-Linolensäure und Gamma-Linolensäure.
    • …kann diverse wichtige Vitamine wie Vitamin B1, B2 und Vitamin E enthalten.
    • …weist weiterhin wichtige Elemente wie Zink, Kalium, Eisen, Phosphor, Natrium, Mangan und Kupfer auf. 

    Entscheidend ist hierbei, dass die mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Hanföl im richtigen Verhältnis (3:1) für die optimale Verwertung durch den menschlichen Organismus vorkommen. Das macht das Speiseöl so besonders wertvoll. 

     

    Haltbarkeit bei offenem und ungeöffnetem Öl

    Durch die naturreine Kaltpressung und seine Inhaltsstoffe ist das reine Öl anfällig für Oxidationen, die ab einem gewissen Maße sogar gesundheitsschädlich sein können. Es wird daher empfohlen, eine angebrochene Flasche innerhalb von 2 Monaten aufzubrauchen. Ungeöffnet ist Hanföl bis zu 12 Monate haltbar. 

    Da Sonneneinstrahlung Einfluss auf die Farbe und Qualität des Öls nehmen kann, ist die Flasche kühl und an einem dunklen Ort zu lagern. 

    Sobald der eigentlich nussige Geschmack des Hanföls bitter wirkt, ist das Öl verdorben und sollte nicht mehr verzehrt werden.

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    Mögliche Nebenwirkungen

    Hanföl ist ein rein pflanzliches Produkt, wodurch es in der Regel keine Nebenwirkungen verursacht und auch nicht überdosiert werden kann. 

    Bei Kosmetikprodukten kann es in Kombination mit anderen Inhaltsstoffen aber unter Umständen zu leichten allergischen Reaktionen kommen. Sollte das passieren, so empfiehlt sich, die betroffene Stelle gründlich zu waschen und auf diese Weise von dem Produkt zu befreien

    Wenn das Öl innerlich angewendet wird, so kann es gerade zu Beginn zu leichten Magenverstimmungen kommen. Das deutet aber nicht zwingend auf eine Unverträglichkeit hin, sondern liegt meist an der Eingewöhnung. Beschwerden lassen sich hier durch eine langsame Steigerung der Dosis vorbeugen.

    Äußere & Innerliche Anwendung von Hanföl

    Hanföl kann sowohl innerlich wie äußerlich angewendet werden. 

    Innerliche Anwendung und Dosierung

    Innerlich erfolgt die Einnahme des Speiseöls entweder direkt, beim Kochen oder über damit befüllte Hartkapseln oder Tabletten. Die empfohlene Dosierung gestaltet sich wie folgt:

    Bei direkter Einnahme

    Hanföl kann beispielsweise im Rahmen einer Kur oder zur gezielten Behandlung von Beschwerden 2-3 Mal täglich eingenommen werden. Dabei empfiehlt sich, 1 Esslöffel des Speiseöls etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten und ohne zusätzliches Wasser zu verzehren.

    Bei Einnahme von Hartkapseln

    Die meisten Hersteller von mit Hanföl gefüllten Hartkapseln raten, 3 Mal täglich eine Hartkapsel zusammen mit viel Wasser einzunehmen. 

    Beim Kochen

    Hanföl kann in der Küche vor allem in kalter Form zum Verfeinern von Salaten, Soßen oder auch auf Brot und Baguette genossen werden. Zum Anbraten eignet sich das Speiseöl nur bedingt bei geringen Temperaturen.  

    Äußerliche Anwendung

    Hanföl wird auch in der Kosmetik eingesetzt, wo es Produkte durch seinen hohen Anteil an Antioxidantien aufwertet.

    Mögliche Anwendungsformen sind:

    • Gesichtscremes und Salben
    • Körperlotionen und Massageöle
    • Duschgele
    • Haarprodukte wie Shampoos oder Spülungen

      Vorsicht bei Pflegeprodukten

      Beim Kauf solcher Produkte ist vor allem darauf zu achten, dass darin hochwertiges Hanföl verwendet wurde und dieses bestmöglich mit weiteren natürlichen Inhaltsstoffen angereichert sein sollte. So kann das Hanföl seine Wirkung ideal entfalten. 

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      Hanföl für Haustiere

      Die positiven Eigenschaften von Hanföl können auch Haustieren wie Hunde, Katzen und Pferden zugutekommen. Auf dem Markt finden sich zunehmend Produkte zur Fellpflege, die das Pflanzenöll enthalten und zur Linderung von Hauterkrankungen und Irritationen beitragen sollen. Zudem kann es für seine Wirkung auf die Gesundheit auch direkt dem Futter der Tiere beigemischt werden.

      Beim Kauf von Hanföl zu beachten

      Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass das Hanföl aus biologischem Anbau stammt und kalt gepresst wurde. Diese Herstellung bedingt die größtmögliche Qualität des Öls und damit auch eine bessere Wirkung seiner Inhaltsstoffe.

      Mögliche Anlaufstellen für den Kauf sind Bioläden, Apotheken, Reformhäuser und der Online-Versand. Eine der bekannteren Marken ist hierbei die Firma Seitenbacher. Im Handel finden sich Hanföl-Produkte unter anderem auch bei Rossmann von der Marke Alnatura. Ein Preis- und Qualitätsvergleich lohnt sich.    

      Da es kaum nennenswerte Mengen an Cannabinoiden wie THC oder CBD enthält und somit keine berauschende Wirkung hat, ist Hanföl legal im Handel erhältlich. 

      Weiterführende Links
      Referenzen & Studien Hanföl

      (1) https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf404278q?journalCode=jafcau

      (2) Am J Clin Nutr. 2003 Feb;77(2):319-25.
      n-3 Polyunsaturated fatty acids, fatal ischemic heart disease, and nonfatal myocardial infarction in older adults: the Cardiovascular Health Study.
      Lemaitre RN1, King IB, Mozaffarian D, Kuller LH, Tracy RP, Siscovick DS.

      (3) Pharmacogn Rev. 2014 Jan-Jun; 8(15): 52–60.
      doi: 10.4103/0973-7847.125531
      PMCID: PMC3931201
      PMID: 24600196
      Plants used to treat skin diseases
      Nahida Tabassum and Mariya Hamdani

      (4) Harvard Health Blog – Omega-3 fatty acids for mood disorders
      POSTED AUGUST 03, 2018, 6:30 AM
      David Mischoulon, MD, PhDDavid Mischoulon, MD, PhD
      Contributor

      (5) Adv Nutr. 2014 Nov; 5(6): 863S–876S.
      Published online 2014 Nov 3. doi: 10.3945/an.114.005850
      PMCID: PMC4224228
      PMID: 25398754
      The Evidence for α-Linolenic Acid and Cardiovascular Disease Benefits: Comparisons with Eicosapentaenoic Acid and Docosahexaenoic Acid1,2
      Jennifer A. Fleming and Penny M. Kris-Etherton*

      (6) Omega-3 Fatty Acids in Rheumatic Diseases
      A Critical Review
      Akbar, Umair BS; Yang, Melissa BS; Kurian, Divya BS; Mohan, Chandra MD, PhD

      JCR: Journal of Clinical Rheumatology: September 2017 – Volume 23 – Issue 6 – p 330–339
      doi: 10.1097/RHU.0000000000000563

       

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