Baldrian – Ein natürliches Beruhigungsmittel

Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) gehört zur Gattung der Baldriane (Valeriana) mit 150 bis 300 Arten und ist ein Geißblattgewächs (Caprifoliaceae). Er kann Wuchshöhen von 80 cm bis 2 Metern erreichen. Baldrian wächst in Europa und Westindien. Weitere Vorkommen sind in Sibirien, Russland bis hin zu China, Korea, Taiwan und Japan zu finden.

Der kommerziell genutzte Baldrian wird in Deutschland, Holland, England und auch in Osteuropa angebaut. Hauptsächlich werden aus den Pflanzen Zentralnervensystem- und Herzmedikamente gewonnen. Die Baldrianwurzel wird seit der Antike zur Förderung des Schlafes und der Entspannung eingesetzt.

Baldrian – Wirkung und Anwendung

Die getrockneten Wurzeln des Baldrians (Valerianae radix) werden als pharmazeutische Droge eingesetzt. Die Wurzel ist eine der bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmittel, dem gute Wirksamkeit bei Schlafstörungen, Angst- und Unruhzuständen sowie nervös bedingte Herzbeschwerden und krampfartige Beschwerden des Magen-Darm-Traktes nachgesagt wird.

Wenn der häufigste Einsatz als Trockenextrakt zu verzeichnen ist, so werden auch Badezusätze zur Beruhigung angeboten.

Die entsprechenden wissenschaftlichen Belege stehen allerdings aus und so ist es noch nicht eindeutig bewiesen, ob Baldrian-Präparate bei Angstzuständen lindern oder bei Schlafstörungen helfen kann.

Am häufigsten kommt der Arznei-Baldrian als Trockenextrakt zum Einsatz (1). Als Badezusatz soll Baldrian ebenfalls beruhigend wirken. Wissenschaftliche, aussagekräftige Studien für viele dieser Wirkungen fehlen jedoch. So ist nicht ganz klar, ob Baldrian-Präparate bei Schlafstörungen helfen (2) oder Angstzustände lindern können (3).

Kombinationen mit Baldrian

Baldrian wird als Kombinationspräparat mit Johanniskraut angeboten, da letzteres als Einzelpräparat Wechsel- bzw. Nebenwirkungen durch die enthaltenen Hyperforins hervorruft (4).

Ebenso werden gerne Baldrian und Hopfen in Kombination als sanftes Schlafmittel verwendet. Allerdings sind bisherige Studien nicht sehr aussagekräftig, da entweder zu wenige Teilnehmer untersucht wurden oder die Studien mangelhaft durchgeführt wurden.

Inhaltsstoffe

Baldrian enthält Alkaloide und vor allem ätherische Öle (Monoterpene und Sesquiterpene), die nach dem Trocknungsverfahren charakteristisch sind und von manchen Menschen als unangenehm riechend empfunden werden. Da der Geruch dem Lockduft von läufigen Katzen ähnelt, können Kater davon angelockt werden.

Für die schlaffördernde und beruhigende Wirkung sind vor allem die Sesquiterpene verantwortlich. Aus der Baldrianwurzel werden Trockenextrakte hergestellt, aber auch ethanolische oder wässrige Auszüge für die Baldriantinktur.

Zu den Inhaltsstoffen gehören:

  • Alkaloide
  • Ätherisches Öl (Valerianae aetheroleum)
  • Fettsäuren
  • Iridoide: Valepotriate
  • Lignane, Flavonoide
  • Sesquiterpene

Wirkung des Baldrians

Baldrian ist für seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung bekannt. Er soll ebenso bei Herzklopfen, Prüfungsangst, Stressbelastung (5), Aufgeregtheit und Hypernervosität helfen. Einer Studie zufolge hat bereits eine Dosis Baldrian bei 36 Prozent der Probanden den ersehnten Tiefschlaf gebracht (6).

Darreichungsform – von der Tablette bis zum Tee

Der Baldrianwurzel-Extrakt wird in Tabletten- und Drageeform angeboten wie auch als Kapseln und Tropfen. Des Weiteren kann aus der getrockneten Baldrianwurzel ein Tee zubereitet werden. Ein bis zwei Teelöffel mit Baldrianwurzel können für 10 – 15 Minuten in heißem Wasser ziehen.

Risiken & Nebenwirkungen

Überdosis

In der Regel ist Baldrian nicht gefährlich. Ist etwas zu viel eingenommen worden, wird man erst einmal nur sehr müde sein. Bei einer höheren Überdosierung allerdings kann es zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen kommen.

Kombinationspräparat Baldrian + Johanniskraut

Wird Baldrian als Kombinationsmittel mit Johanniskraut eingenommen, so kann das Johanniskraut Zustände der Verwirrtheit hervorrufen.

Allergische Reaktionen

Bei einer allergischen Reaktion auf Baldrian kommt es zu den typischen Anzeichen einer Allergie, wie Pusteln, Rötungen oder Atemnot. In diesem Fall sollte der Arzt aufgesucht werden.

Schwangere und Kinder

Schwangere Frauen sowie Kinder unter drei Jahren sollten Baldrian nur unter Aufsicht eines Arztes einnehmen. Mögliche Risiken sind für diese Gruppe bisher durch keine Studien ausreichend genug belegt worden.

Pille

Baldrian in Kombination mit der Pille eingenommen, soll keine Nebenwirkung hervorrufen. Die verhütende Wirkung der Pille wird durch Baldrian nicht beeinträchtigt – auch nicht, wenn es in Kombination mit dem Johanniskraut verwendet wird (7).

Anwendung und Dosierung

Einnahmefehler

Der schlaffördernde Effekt von Baldrian tritt meist erst nach zweiwöchiger, konstanter Einnahme ein. Bei Erfolgslosigkeit – speziell bei bestehender Schlaflosigkeit – greifen darum viele aus Unwissenheit zu einer höheren Dosis als empfohlen wurde.

Als sichere Dosis hat sich laut Studien 400 – 900 mg Baldrianextrakt erwiesen. Die Einnahme erfolgt idealerweise 30 Minuten bis maximal 1 Stunde vor dem Zubettgehen. Eine regelmäßige Einnahme wird empfohlen (8).

Wer Baldrian zur Schlafförderung einnimmt, sollte Bedenken, dass er müde machen kann. Es sollte darauf geachtet werden, nach Einnahme nicht mehr Auto zu fahren, keine schweren Maschinen zu bedienen oder noch zu arbeiten oder andere Aktivitäten auszuführen, die ein gewisses Maß an Wachsamkeit und Konzentration erfordern.

Zudem sollte auf Alkohol in Verbindung mit Baldrian verzichtet werden.

Wie lange kann Baldrian eingenommen werden?

Baldrian kann, im Gegensatz zu chemischen Schlafmitteln, bedenkenlos auch längerfristig als Linderung nervös bedingter Schlafstörungen eingenommen werden. Falls sich aber nach zwei Wochen keine Besserung einstellt, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Baldrian für Tiere

Baldrian hat sich ebenfalls in der Tiermedizin bewährt. Hunden kann die Einnahme von Baldrian in der Silvesterzeit helfen, weniger Stress zu erleiden. Die Tropfen können ins Futter oder Trinkwasser gegeben werden. Ebenso kann die getrocknete Baldrianwurzel im Futter verwendet werden. Zur Frage der Dosierung ist die Rasse, das Gewicht und Geschlecht zu berücksichtigen. Hierzu sollte der Tierarzt befragt werden. Baldrian sollte nicht dauerhaft gegeben werden. Es ist wichtiger, Hunde an eine Stresssituation heranzuführen.

Durch die Lockstoffe (Alkaloide) im Baldrian bewirkt es bei Katzen eher eine Überreaktion aus. Es gibt Hundebesitzer, die einige Baldriantropfen auf das Katzenspielzeug träufeln. Dabei sollte man sehr darauf achten, dass die Tropfen keinen Alkohol enthalten. Der Stress, der für Katzen bei diesem rauschähnlichen Zustand entsteht, sollte vermieden werden.

Der Verzehr der Baldrianpflanze ist für Katzen giftig.

Weiterführende Links
Referenzen & Studien zum Thema Baldrian

(1) Siegfried Bäumler: Heilpflanzen-Praxis heute. Portraits, Rezepturen, Anwendung. Elsevier Urban & Fischer, München, 2007, ISBN 978-3-437-57270-8, S. 67–68.
(2) Baldrian: pflanzliches Schlafmittel mit Fragezeichen auf www.medizin-transparent.at
(3) Weniger Angst dank Baldrian und Hopfen? auf www.medizin-transparent.at
(4) Sabine Anagnostou: Johanniskraut, Baldrian und Passionsblume – Die Geschwister der Seele. Pharmazeutische-Zeitung.de, 29. November 2011
(5) Phytomedicine. 2010 Jul;17(8-9):674-8. doi: 10.1016/j.phymed.2009.10.020. Epub 2009 Dec 29. Valeriana officinalis root extracts have potent anxiolytic effects in laboratory rats. Murphy K1, Kubin ZJ, Shepherd JN, Ettinger RH. DOI: 10.1016/j.phymed.2009.10.020
(6) Pharmacopsychiatry. 2000 Mar;33(2):47-53. Critical evaluation of the effect of valerian extract on sleep structure and sleep quality. Donath F1 Quispe S, Diefenbach K, Maurer A, Fietze I, Roots I. DOI: 10.1055/s-2000-7972
(7) https://kfn-ev.de/meldungen/2009-1/276-johanniskraut-und-pille-wirklich-ein-problem
(8) Accid Anal Prev. 2016 Jul;92:240-4. doi: 10.1016/j.aap.2016.01.019. Epub 2016 Apr 22. Effects of valerian on subjective sedation, field sobriety testing and driving simulator performance. Thomas K1, Canedo J2, Perry PJ2, Doroudgar S2, Lopes I2, Chuang HM2, Bohnert K2. DOI: 10.1016/j.aap.2016.01.019

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